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Kleines Land vor extremer Belastungsprobe

Libanon

Der Libanon steht vor einer extremen Belastungsprobe. Kein anderes Land auf der Welt hat im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl so viele Flüchtlinge aufgenommen wie der kleine Staat im Nahen Osten. Rund 1,1 Millionen Menschen aus Syrien haben im Nachbarland Schutz vor dem Bürgerkrieg gesucht. Eine gewaltige Herausforderung für die rund 4,5 Millionen Einwohner – und für ein Land, in dem bereits etwa 450.000 palästinensische Flüchtlinge zum Teil seit Jahrzehnten in Lagern leben.

Die Versorgungslage ist schlecht: In mehr als 90 Prozent der Flüchtlingshaushalte ist die Ernährung nicht gesichert. 70 Prozent der Flüchtlinge leben unterhalb der Armutsgrenze, mehr als die Hälfte sind in nicht angemessenen Behelfsunterkünften untergebracht. Mehr als 75 Prozent der syrischen Flüchtlingskinder können nicht zur Schule gehen.

Wirtschaft

Hohe Staatsverschuldung und eingebrochene Märkte

Blick auf Beirut, Libanon, Foto: Julie Lindsay (2014-09-14 09.40.05 HDR)
Blick auf Beirut, (Foto: Flickr, Julie Lindsay (CC BY 2.0))

Vor dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 gehörte der Libanon zu den wichtigsten Handels- und Finanzzentren im Nahen Osten. Die Bankenmetropole Beirut diente als Bindeglied zwischen Europa und den Staaten am Persischen Golf. Diese Stellung konnte das Land nach dem Krieg nicht mehr zurückgewinnen. Der Wiederaufbau wurde über Kredite finanziert – die Staatsverschuldung Libanons zählt heute zu den höchsten der Welt. Der Krieg in Syrien trifft die libanesische Wirtschaft schwer.

Containerschiff im Hafen von Beirut, Foto: BMZ
Containerschiff im Hafen von Beirut (Foto: BMZ)

Der Tourismus, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes, ist ebenso eingebrochen wie der Export in die Golfstaaten, der größtenteils über Syrien abgewickelt wurde. Auch mit Syrien selbst fiel ein wichtiger Absatzmarkt für libanesische Produkte weg.

Eine der wichtigsten Ressourcen des Landes sind seine gut ausgebildeten Arbeitskräfte, die aus dem Ausland Devisen in den Libanon überweisen. Zugleich fehlt ihr Fachwissen jedoch in der Heimat, um die Entwicklung des Landes voranzutreiben.

Verbindung zu Deutschland

Unterstützung für nachhaltige Stabilisierung

Wasserversorgung im Flüchtlingslager in der Beeka-Ebene, Foto: EU Commission DG ECHO (2014_07_24_NRC_Syr_Refugees_Leb_sam_tarling_MGL3264)
Wasserversorgung im Flüchtlingslager in der Beeka-Ebene, (Foto: Flickr, EU Commission DG ECHO (CC BY-ND 2.0))

Seit 2012 hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) den Libanon mit 483,85 Millionen Euro unterstützt. Schwerpunkte sind die Themen Bildung und Wasser- und Sanitärversorgung. Dazu kommen Sondermaßnahmen zur Unterstützung von syrischen Flüchtlingen und aufnehmenden libanesischen Gemeinden.

Im fünften Jahr der Syrienkrise ist der Bedarf an humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit im Libanon weiter gewachsen. Um nachhaltig zur Stabilisierung des Landes beizutragen, müssen verschiedene Instrumente der Zusammenarbeit eingesetzt werden:

Kinder beim Lernen in einem Flüchtlingszelt im Libanon
Deutschland unterstützt die Initiative "No lost generation" vom UNICEF (Foto: BMZ)

Von schnell wirksamen Maßnahmen der Not- und Übergangshilfe bis hin zu langfristig strukturbildenden Investitionen. Daher wird Deutschland ab 2016 im Rahmen thematischer und regionaler Programme neben Sofortmaßnahmen zunehmend auch wieder langfristig wirkende Maßnahmen der technischen und finanziellen Zusammenarbeit finanzieren.

Für 2016 sind Vorhaben in den Bereichen Grund- und Berufsbildung, Basisinfrastruktur (Wasserver- und Abwasserentsorgung) sowie zur Unterstützung von Flüchtlingen und aufnehmenden Gemeinden in Planung.

Unterstützungsbedarf in den Aufnahmekommunen

Zuwanderung ist extreme Belastung

Syrische und einheimische Kinder beim Fußball in einem Hinterhof in Baalbek, Libanon
Friedensarbeit mit syrischen Flüchtlingen und Einheimischen in Baalbek (Foto: BMZ)

Syrische Flüchtlinge machen heute 25 Prozent der Gesamtbevölkerung im Libanon aus. Die Mehrheit der Flüchtlinge lebt in Gemeinden und Städten über das ganze Land verteilt, insbesondere in den ärmeren Gegenden im Norden des Landes, in der Bekaa-Ebene und in der Hauptstadt Beirut. Die Zuwanderung der syrischen Flüchtlinge stellt für die libanesischen Aufnahmekommunen eine extreme Belastung dar.

Frauen mit und ohne Kopftuch im offenen Dialog an einer Universität
Das BMZ unterstützt das Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD) (Foto: Pixabay)

Zwischen Mai und August 2016 hat die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt den Unterstützungsbedarf in den libanesischen Kommunen vor dem Hintergrund ihrer Aufnahmeleistung ermittelt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wo kommunales Know-how gebraucht wird und welchen Beitrag deutsche Kommunen oder kommunale Akteure bei der Stärkung der Aufnahmekommunen leisten können.

Streunende Katze in verwarloster Wohngegend in Beirut, Libanon
Abfallwirtschaft ist nur eines der Probleme, (Foto: Flickr, Maya-Anaïs Yataghène (CC BY 2.0))

Die Bedarfsanalyse für den Libanon identifiziert vier Handlungsfelder auf kommunaler Ebene, bei denen libanesische Aufnahmekommunen besonderen Unterstützungsbedarf haben: Institutionelle (z.B. Local Governance, Organisations- und Personalmanagement, Administration, Finanzplanung, Projektmanagement) und technische Bedarfe (z.B. Umgang mit technischen Programmen, Datenbank- und Wissensmanagement), sowie Bedarfe in den Bereichen Kooperationen (z.B. Kooperationen mit politischen Akteuren und Organisationen, Bürgernahe Kommune, interkommunale Beziehungen) und kommunale Daseinsvorsorge.

Mohammad Abd el Aal zeigt seine Unterschenkel-Prothese
Mohammad Abd el Aal (12) verlor durch Splitterbomben einen Unterschenkel, (Foto: Flickr, Cluster Munition Coalition (CC BY 2.0))

Bei letzterem Handlungsfeld haben alle befragten Kommunen Engpässe bei der Stromversorgung sowie im Bereich der Wasser, Abwasser- und Abfallwirtschaft zu verzeichnen. So fällt bei vielen Gemeinden doppelt so viel Abfall an als vor der Flüchtlingskrise, was mit der bisherigen Ausrüstung und herkömmlichen Lösungen nicht mehr zu bewältigen ist. Hier könnten gemeinsam mit deutschen Kommunen im Rahmen von Projektpartnerschaften effiziente Entsorgungskonzepte entwickelt werden.

Ein weiteres Problemfeld der Aufnahmekommunen im Libanon ist die Gesundheitsversorgung, da viele Leistungen, insbesondere Hospitalisierung und aufwändige Pflege, nicht für Flüchtlinge erbracht werden können. Beim Bau von Gesundheitseinrichtungen, der Bereitstellung von Ausrüstung oder der Planung von Ablaufprozessen kann das Know-how deutscher Kommunen wertvoll sein.

Syrische und einheimische Kinder beim gemeinsamen Lernen in einer libanesischen Schule
Syrische Flüchtlingskinder in einer Schule im Libanon (Foto: BMZ)

Im Handlungsfeld Bildung konnten durch internationale Geber und Gelder der libanesischen Regierung zusätzliche Schulklassen eröffnet werden. Die Rate der nicht eingeschulten Kinder unter Flüchtlingen ist jedoch weiterhin hoch. Auch die Handlungsfelder Beschäftigung, soziale Konflikte und Integration sind für Aufnahmekommunen im Libanon relevant und könnten Inhalte von kommunalen Partnerschaftsprojekten sein. So könnten etwa die Erfahrungen deutscher Kommunen bei der Konzeption und Einrichtung von Integrationsbeiräten oder Bürgerdialogen sehr wertvoll sein.

Ihr Know-how für den Libanon

Möglichkeiten des Engagements

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie Sie sich mit Ihrer Kommune engagieren können.
Gerne beraten wir Sie zu verschiedenen Handlungsfeldern und zu Beteiligungsmöglichkeiten.
Kontaktieren Sie unsere Ansprechpersonen direkt oder füllen Sie das Interessensformular aus.

Linkempfehlung

Sie möchten mehr über den Libanon erfahren?

Weitere Informationen zum Libanon finden Sie im Länder-Informations-Portal der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

Jordanien, Libanon, Türkei

Zahlen, Daten und Fakten zu den Aufnahmekommunen

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