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Deutsch-libanesische Jugendleiterausbildung

Jugend international vernetzt, kommunal engagiert

Eine neue Generation, die das Leben vor Ort in der Gemeinde aktiv mitgestaltet und gleichzeitig weltweit vernetzt ist: Im einem deutsch-libanesischen Projekt zur Stärkung der internationalen Jugendarbeit wird diese Vision in die Tat umgesetzt.

Nach dem Vorbild der Jugendleiterausbildung sollen zehn ehrenamtliche Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für die internationale Jugendarbeit ausgebildet werden. Ziel dabei ist, die Kompetenzen in der freien Jugendarbeit durch grenzübergreifenden Wissens- und Erfahrungsaustausch zu verbessern. Nach Abschluss des Projektes sollen diese „Teamer“ in ihren Communities eigene Projekte und Bildungsangebote umsetzen und so Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund erreichen.

Das Projekt wird von der Marktgemeinde Heimenkirch gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus Kommunen, der außerschulischen Jugendarbeit und der Zivilgesellschaft in Deutschland und im Libanon umgesetzt.

Rund ein Dutzend Personen posieren gut gelaunt für die Kamera; im Hintergrund ist eine schlossähnliche Anlage zu sehen.
Das Team der Jugendleiterausbildung in Babenhausen. Foto: Georg Lindl
Blick in einen Arbeitsraum. 10 Personen sitzen in an in U-Form arrangierten Tischen.
Team the Teamer: Junge Erwachsene aus dem Libanon und dem Allgäu werden gemeinsam als Jugendleiterinnen und -leiter qualifiziert. Foto: Markus Reichart

Dank der Förderung mit Mitteln des BMZ innerhalb der Initiative „Kommunales Know-How für Nahost“ der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global konnte im Dezember 2019 ein erster „Team the Teamer Workshop“ in der Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Babenhausen ermöglicht werden.

„Das Treffen war ein voller Erfolg“, berichtet der Leiter der „JuBi“, Michael Sell. Das Engagement, die Kompetenz und Offenheit, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus beiden Ländern einbrachten, haben ihn sehr beeindruckt. Auf deutscher Seite waren Mitglieder der Jugendbildungsstätte Babenhausen und mehrere Jugendverbände des Bezirksjugendrings Schwaben (Kreisjugendring Lindau und Stadtjugendring Kempten) sowie der Bund Katholischer Jugend der Diözese Augsburg dabei. Auf libanesischer Seite sind Jugendverbände der Gemeinden Minnieh, Hebbarieh und Bwarej sowie die NROs Arc en Ciel und ClimbAid beteiligt.

Hintergrund

Allgäuer kommunales Know-how für den Libanon

Markt Heimenkirch ist eine von inzwischen sechs Allgäuer Kommunen, die sich im Rahmen der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit im Libanon engagieren - mit dem Ziel, über Projektkooperationen mit libanesischen Gemeinden die Lebensqualität sowohl von Einheimischen als auch Geflüchteten in der Region zu verbessern. Doch auch im Allgäu findet kommunale Zusammenarbeit statt. Gemeinsam haben sich die Gemeinden seit 2018 im interkommunalen Libanon-Ausschuss vernetzt. Bei ihren regelmäßigen Treffen bleiben die Verantwortlichen kontinuierlich im Gespräch - Neu-Interessierte können dazu kommen und erleben, wie Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe funktioniert. Turnusgemäß wird Markt Heimenkirch 2020 mit Bürgermeister Markus Reichart den Ausschussvorsitz übernehmen.

 

Neun Personen sitzen auf niederigen Sesseln und einem Sofa um einen Tisch herum und diskutieren.
Im Gespräch bleiben! Auch wenn in der Projektarbeit gelegentlich Hürden zu überwinden sind, hilft der regelmäßige Austausch unter den Projektbeteiligten. Foto: Engagement Global
Zusammenwachsen und gegenseitiges Lernen

Jugendliche als Motor für Entwicklung

Drei Frauen und drei Männer lächeln in die Kamera. Hinter ihnen sind vor einem wolkenverhangenen Himmel Wiesen und Bäume zu sehen.
Beste Stimmung unter den deutsch-libanesischen „Teamern“ beim Auftakttreffen in Schwaben. Foto: Georg Lindl

Im Libanon machen Jugendliche einen Großteil der Bevölkerung aus, sowohl unter den Einheimischen als auch unter den fast 900.000 syrischen und den fast 500.000 palästinensischen Geflüchteten, die in dem kleinen Mittelmeerstaat leben. Von der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Krise sind junge Menschen mit am stärksten betroffen: Fehlende Bildungs- und Ausbildungschancen, soziale Ungleichheit und ein Mangel an Arbeitsplätzen treiben viele Jugendliche in die Perspektivlosigkeit. Aber es gibt auch Grund für Optimismus, denn die junge Generation ist der Motor einer Graswurzelbewegung für Demokratie, soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung im Libanon und in der Region. Dies ist eine Inspiration für die Jugendverbände in Deutschland. Im Libanon gibt es eine starke Zivilgesellschaft und viele von Jugendlichen getragene Initiativen, Vereine und Organisationen. Leider sind die politischen Mitwirkungsmöglichkeiten noch begrenzt. Die gewachsenen Strukturen und Erfahrungen in der kommunalen Jugendarbeit in Schwaben können daher interessant für die libanesischen Partnerinnen und Partner sein.

Georg Lindl, Initiator des Projektes, ist überzeugt: „Wenn man aktiv wird, kann man auch etwas bewirken“. Die Arbeit an der Basis, die Vernetzung mit der Zivilgesellschaft und vor allem die Begegnung auf Augenhöhe zeichnen das Projekt aus, findet er. „Schon beim ersten Treffen wurde uns auf Anhieb bewusst, wie viel wir voneinander lernen können“, sagt der Umwelt-und Erlebnispädagoge aus Lindau. Themen wie nachhaltige Entwicklung, politische Teilhabe und Integration von Geflüchteten sind für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus beiden Ländern gleichermaßen relevant. Im Fokus des Erfahrungsaustauschs stehen aber nicht nur thematische und methodische Kenntnisse. Die Teilnehmenden stärken auch ihr ehrenamtliches Engagement und ihre soziale und interkulturelle Kompetenz. Außerdem fördert das Projekt die Einbeziehung von Mädchen und Frauen sowie Menschen mit Migrationshintergrund in die Strukturen der kommunalen Jugendarbeit.

Nach dem ersten Auftakttreffen in Schwaben ist die deutsch-libanesische Gruppe immer weiter zusammengewachsen – trotz der Herausforderungen durch die Corona Pandemie und der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Krise im Libanon. Ein im März geplanter Gegenbesuch der deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Libanon musste zwar aufgrund der Reisebeschränkungen verschoben werden. Dennoch bleiben die Partnerinnen und Partner dank sozialer Medien in Kontakt und treffen sich zu regelmäßigen Videokonferenzen, um ihr Projekt weiter zu planen. Zu einem dieser virtuellen Treffen ist im August Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller eingeladen. „Wir können es gar nicht erwarten, uns bald wieder persönlich zu treffen und die nächsten Schritte gemeinsam in die Tat umzusetzen“, sagt Theresa Jetschina, Vorsitzende des Bezirksjugendrings Schwaben. Der Bürgermeister von Heimenkirch, Markus Reichart, setzt sich sehr dafür ein, dass es bald weitergeht. Denn für ihn ist das Projekt die Grundlage für eine langfristige Projektpartnerschaft mit dem Libanon und ein wichtiger Beitrag zur internationalen Kooperation in der kommunalen Jugendarbeit.

Auf einem Transparent mit deutscher und jordanischer Flagge werden die Teilnehmenden begrüßt.
Die Jugendbildungsstätte Babenhausen heißt die Teilnehmenden willkommen. Foto: Nour al Bast

Nachtrag:
Die verheerende Explosion in Beirut vom 4. August 2020 hat die humanitäre, wirtschaftliche und politische Krise im Libanon weiter verschärft. Die junge Generation ist davon schwer betroffen - kämpft aber gegen die Perspektivlosigkeit an. Junge Ehrenamtliche treiben den Wiederaufbau voran, wo staatliche Institutionen versagen. Aus dem Libanon-Komitee im Allgäu kommt große Solidarität: In einer Sondersitzung wurde eine Spendenaktion initiiert.

Kontakt

Markus Reichart
Erster Bürgermeister Markt Heimenkirch
Telefon:+49 8381 805-10
E-Mail: markus.reichart@heimenkirch.de