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Gender-Training im Libanon und Jordanien

Gemeinsame virtuelle Abschlussrunde am 19. November 2020

Vor allem auf lokaler Ebene ist die gleichberechtigte und aktive Beteiligung aller Geschlechter essentiell, um eine nachhaltige Entwicklung voranzutreiben und die Wirksamkeit kommunaler Entwicklungszusammenarbeit zu stärken.

Sowohl Jordanien als auch der Libanon sind geprägt von einer starken sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheit sowie Geschlechterungerechtigkeit, da die Gesellschaften überwiegend patriarchal strukturiert sind. Die strukturellen und kulturellen Diskriminierungen gegenüber Frauen haben ganz unterschiedliche Facetten.

So sind beispielsweise in Jordanien die Frauen gut ausgebildet, aber nur etwa 13 Prozent arbeiten außerhalb ihres Hauses. Entsprechend sind sie auch auf der kommunalen Ebene stark unterrepräsentiert. Im Libanon sieht es nicht viel besser aus. Seit den letzten Kommunalwahlen 2016 sind lediglich 5,4 Prozent der Abgeordneten Frauen und es gibt landesweit keine Bürgermeisterin. Aber auch in Deutschland sind Frauen im Topmanagement kommunaler Unternehmen mit einem Anteil von knapp 20 Prozent unterrepräsentiert und nur jede zehnte Kommune hat eine Bürgermeisterin. 

Zur Qualifizierung und Sensibilisierung der Projektbeteiligten in den Partnerländern organisierte die Initiative am 18. und 19. November 2020 ein Gender-Training für kommunale Vertreterinnen und Vertreter parallel im Libanon, in Jordanien sowie zusätzlich auch in Palästina.
 
Im Libanon kamen 16 Interessierte aus der Verwaltung, Kommunalpolitik und der lokalen Zivilgesellschaft virtuell zusammen. Am ersten Tag erhielten sie eine Einführung zur Bandbreite der Gender-Thematik und beschäftigten sich mit den gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Hürden der Geschlechtergerechtigkeit. Am zweiten Tag widmeten sie sich in Arbeitsgruppen der Umsetzung von Gender-Mainstreaming in der kommunalen Projektarbeit, mit dem Schwerpunkt der gendersensiblen Projektplanung. Dazu hatte die Trainerin ein Toolkit vorbereitet, welches im Nachgang zur Verfügung stand und in der täglichen Arbeit verwendet werden kann.
 
In Jordanien nahmen die 15 Teilnehmenden bereits im Vorfeld an einer Umfrage teil, woraufhin die Trainerin die Inhalte auf die Vorkenntnisse und Interessen abstimmen konnte. Hauptziel des Trainings war - ähnlich wie im Libanon- eine anwendungsorientierte Wissensvermittlung, damit die Grundsätze der Geschlechtergerechtigkeit verstärkt in der Kommune Eingang finden, die eigene Rolle reflektiert und Diskriminierungsmechanismen identifiziert werden können. Zudem wurde der Bezug von Gender zu den 17 verschiedenen Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals, SDGs) hergestellt, denn die Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein Menschenrecht. Zum einen ist die Gleichberechtigung der Geschlechter ein explizites SDG (Nummer 5), zum anderen ein handlungsleitendes Prinzip, so dass es in 11 von 17 SDGs verankert.
 
Zum Abschluss des zweiten Tages trafen sich über 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Libanon, aus Jordanien und auch aus Palästina zu einer 2-stündigen virtuellen Abschlussrunde. Nach einer kurzen Präsentation der Ergebnisse der vorherigen drei parallelen Trainings wurden positive Bespiele gendersensibler Projektarbeit (Jugendprojekt Heimenkirch – Bwarej, Hebbarieh und Minieh Union/Libanon, Gender-Audit Verfahren in Madaba/Jordanien sowie Hebron/Palästina) vorgestellt. Bei einem sogenannten „Gender Auditing“ geht es um die Messung der institutionellen Gleichstellung der Geschlechter (Gehaltgefälle, Zugänge etc.) und die Beteiligung an den verschiedenen kommunalen Entscheidungsprozessen sowie daraus abgebleiteten Maßnahmen zur Stärkung der Geschlechterdemokratie.
 
In den abschließenden Empfehlungen sprachen sich alle für weiterführende Trainingsmaßnahmen im Bereich Gender für die Kommunen, die Zivilgesellschaft und die junge Generation aus. Sie forderten außerdem ein Umdenken bei der Personalpolitik und der strukturellen Planung auf kommunaler Ebene, um die bessere Beteiligung von Frauen zu gewährleisten.
 

 

 

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